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Kölnische Rundschau vom 18. September 2000
Lillian Garrett-Groags "Die Weiße Rose" hatte im "Jungen Theater" Premiere |
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Menschen, keine Idol |
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| Von H. D. Terschüren Beuel. Am Widerstand im Dritten Reich sind die Deutschen wohl noch zu dicht dran. Zu soviel Nähe gehört die Idolisierung als Abwehrmechanismus nach dem Schema, wer Widerstand leistete mit all den damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben oder zumindest auch den Einbußen an Karriere, musste ein Held sein. Doch nicht von jedem habe man Heldentum verlangen dürfen. Das Podest, auf das man den Widerstand hob, löste einen Teil des eigenen Schuldigwerdens durch Nichtstun ab. So verlor sich ein bisschen das Gefühl dafür, dass etwa die Münchner Studenten der " Weißen Rose", die im Februar 1943 hingerichtet wurden und als Gruppe unter diesem Namen zu einem Synonym für Widerstand wurden, auch einfach nur junge Menschen waren, die sich wie andere damals mit Luftangriffen, Studium, Freundschaften einrichteten. Allerdings auch mit einem höheren Maße an moralischer Disziplin. Vielleicht musste man Amerikanerin sein, um darüber ein Theaterstück "Die weiße Rose" zu verfassen. Freitag gab es im Jungen Theater |
die mit großer Zustimmung aufgenommene deutsche Erstaufführung,
nachdem eine Woche zuvor ein Hauptdarsteller wegen Krankheit ausgefallen
und der ehemalige EschbergSchauspieler Peter Glass für ihn eingesprungen
war. Lillian Garrett-Groags Stück bringt Hans und Sophie Scholl und
ihre Freunde Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf auf die
Bühne in den fünf Verhörtagen zwischen Verhaftung und Hinrichtung,
zunächst der Geschwister Scholl und Probsts. Hineingeschoben sind
Rückblenden. Aber genau das tat die Amerikanerin mit ihrem auch in den USA erfolgreichen Stück: Sie brachte j unge Menschen auf die Bühne, keine Idole. Auch ihre Sprache, Wünsche, Gefühle. Auf Antje Rieders zweiteiliger Bühne hat Andreas Lachnit die 30 Kurzszenen temporeich, in fast filmischer Schnittechnik inszeniert. Wenn die Studenten die Flugblätter gegen die Naziverbrechen verteilen, für die sie von Freislers Volksgerichtshof verurteilt wurden - es gab auch eine Toneinspielung, aber wohl aus dem Prozess gegen die Attentäter vom 20. Juli 1944 -, dann tobten sie durch den Saal. Wenn man das Stück sich ansieht, vergisst man alle Bedenken wegen seiner Gratwanderung zwischen Fiktion und Protokoll. Natürlich läuft auch seine Wirkung über die Betroffenheit darüber, dass so was möglich war. |
Aber interessant ist diese Inszenierung auch deshalb, weil sie die
Betroffenheit nicht dadurch schmälert, dass sie auf der anderen Seite
nicht nur schlimme Ideologen zeigt. So spielt Peter Glass - seine Schlussszene
ist noch ein bisschen lang - den Ernittlungskommissar als einen Menschen,
der Bindungen zu den Jugendlichen aufbaut und, vielleicht, daran zerbricht. Umgekehrt ist Alfred Czernewitz die fatale Mischung aus Überzeugung und Funktionieren und Giselheid Hönsch die geduckte Wärterin, die sich von Willfährigkeit Beförderung verspricht. Die Verhöre wirken oft authentisch, vermutlich immer dann, wenn Protokolle zugrundeliegen. Auf der anderen Seite finden die junge Schauspieler gute Lösungen für ihre Aufgaben, die durchaus unterschiedlichen Motivationen zu zeigen: Regina Schrott ist die Entschiedenste in ihrer Moralität, Martin Sabel hochaufgeschossen Hans Scholl, Franz-Josef Becker ist Alexander Schmorell mit der Liebesbindung an Sophie, Joachim Schötz ist als Probst der Rationale, Jens Bohnsack als Willi Graf der katholisch Geprägte. Zwei Stunden plus Pause, weitere Vorstellungen am 5., 6., 12., 13. Oktober 19.30 Uhr |